14. April 2011

Auf Beizentour

Im Zeitalter der Digitalisierung und Kommunikationsplattformen (Social Media) wie Facebook oder Twitter, ist der persönliche Kontakt und das Gespräch Auge in Auge unbezahlbar. Und wo führte man früher - und hoffentlich auch heute noch - solche Gespräche? Genau am Stammtisch in der Dorfknelle. Dort wird politisiert und man darf bedenkenlos auch mal die Faust auf den Tisch hämmern. Das nenne ich ehrliche Kommunikation. In kleineren Gemeinden wird - auch heute noch - an diesem Tisch entschieden, wie und wann der Gemeindeamman seine Geschäfte zu machen hat. Der Stammtisch ist und bleibt Sinnbild für die offene Gesprächskultur, die Beiz ein wichtiger Teil unserer Stadt- und Dorfkultur. Politiker müssen ihn gerne haben und ihn ertragen können. Der Aargauer Regierungsrat und ehemaliger Nationalrat sowie im Jahr 2003 als Ständerat des Kantons Aargau - Urs Hofmann (SP) - hat sich die "Beizenpolitik zu Herzen genommen. Er startet eine Beizentour durch alle elf Bezirke des Kantons und setzt sich elfmal an einen Stammtisch, um mit der Bevölkerung ins Gespräch zu kommen. Traktandenliste gibt es keine und es ist jedermann eingeladen, dem Regierungsrat mal seine Meinung zu sagen. Die Idee ist entstand in Zusammenarbeit mit Gastro Aargau. Der Verband kommt auch für die Getränke der Gäste auf. Das geforderte Freibierverbot vom Bundesrat - die spinnen ja, haben denn die nicht anders zu tun - ist ja noch nicht beschlossene Sache. Ich finde das eine gute Idee und muss zugeben dass ich das von einem SP-Politiker nicht erwartet hätte. Viel eher von einem auf der rechten Seite, der SVP. Uns so habe ich ein gutes Gewissen, dass ich bis anhin, soweit ich mich erinnern mag, erst zwei SP-Politiker im Kanton AG auf den Wahlzettel bei National- und Ständeratswahl geschrieben habe. Pascale Bruderer und eben der Stammtischhöckler Urs Hofmann. Ihn habe ich sogar die Stimme als Regierungsrat gegeben. In meiner Wohngemeinde bin ich Mitglied eines Vereins, der sich Pro Spreitenbach nennt. Er wurde erst vor einem Jahr gegründet. Vor einer Woche fand die erste Generalversammlung statt. Etwa 50 Mitglieder zählt der Verein. Ziel ist es, das Wünsche in der Bevölkerung aufgenommen werden und mit denen an den Gemeinderat zu gelangen. Und/oder an der Gemeindeversammlung. Der Verein politisch neutral und die Mitglieder haben keine Präsenzpflicht. Mann trifft sich immer am ersten Mittwoch im Monat - richtig am grossen Stammtisch - in meinem Lieblingrestaurant und diskutiert über bauliche, politische oder sonstige sachliche Themen der Gemeinde Spreitenbach. Ein Erfolg konnte bereits verbucht werden. Dem Gemeinderat wurde eine Petition mit 500 Unterschriften überreicht für die Einführung einer Tempo 30 Zone auf der Dorfstrasse.

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