15. August 2008

Misstöne vom Minarett

Die Befürworter der Anti-Minarett- Initiative - die im übrigen mit fast 114'000 Unterschriften gemäss Bundeskanzlei formell zu Stande gekommen ist - kriegen nun im weitesten Sinn auch Unterstützung aus der Türkei.Fünfmal am Tag halten sich manche Türken die Ohren zu. Von den Moscheen her rufen die Muezzins zum Gebet. Doch manche tun das so schräg, krächzend und laut, dass ihren Mitbürgern alle fromme Gedanken vergehen.Der viel gelesene Kolumnist Mehmet Barlas meinte kürzlich in einem Kommentar der türkischen Zeitung "Sabah", dass die Muezzine die Mikrofone zur Hand nehmen und den Verstärker bis zum Gehtnichtmehr aufdrehen.Anders als häufig angenommen singen die türkischen Muezzine live, selbst in kleinen Dörfer. Die Zeiten, in denen die Muezzins auf die Balkone ihrer Minaretten kletterten und von dort aus allein mit ihrer Stimme die Gebete ansagten, sind längst vorbei. Jedes noch so kleines Minarett verfügt über mindestens einen Lautsprecher mit Verstärker und Mikrofon. Die meisten Gemeinden legen beim Bau einer neuen Moschee keinen grossen Wert auf hochwertige Verstärkeranlagen, weshalb die Gebetsrufe blechen und völlig verzerrt klingen. Ganz abgesehen, dass nur wenigen Muezzine ihre künstlerische Ausdruckskraft zum Hörgenuss der Bevölkerung erreichen. So mancher Muezzin singt zwar inbrünstig, aber auch furchtbar schlecht.Der Kolumnist brachte das Thema zur Tagesordnung nachdem eine türkische Gesangsdiva die Muezzins kritisiert hatte. Barlas schloss sich der Kritik der Sängerin an und erbte viele zustimmende Leserbriefe.Sollte die Anti -Minarett-Iniative hierzulande abgelehnt werden, dann bitte nur der Bau von Minaretten bewiligen ohne eingebauten Verstärkeranlagen. Und die Muezzine müssten einen Gesangsunterricht besucht haben.

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